Mein Buch "Rendezvous am Mittwoch" ist entstanden, da ich während der Praxisbesuche der alten Dame spürte, dass ihre Geschichte etwas Besonderes ist. Besonders in der Hinsicht, dass diese Frau sehr viel Liebe und Mitgefühl für andere Menschen hat, auch wenn sie selbst nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stand.
In diesem Buch schreibe ich über Freude und Leid, über Besonderes und Alltägliches und dabei werden die Erinnerungen einer fünfundachtzigjährigen Mainzerin an ihr Leben von den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts bis in die Gegenwart geschildert.
Diese Lebensgeschichte ist humorvoll, authentisch und lebendig geschildert. Meine eigenen Erinnerungen aus den sechziger Jahren garnieren diese Erzählung, die dadurch eine besondere Note erhält.
Gastronomische Erlebnisse zu Beginn der Geschichte im Pomp auf der Großen Bleiche und gegen Ende in der Supperie in Mainz-Hechtsheim rahmen die Erzählung ein.
Das Motto der alten Dame lautet: Auch in Krisen die Würde und die Liebe für andere Menschen bewahren.
Seien Sie zu Gast bei einer zwölfköpfigen Familie in der Weimarer Republik, nehmen Sie an einem rasanten Stadtbummel in Mainz teil, gehen Sie „Schwarz über die Grenze“ und erhalten Sie Einblick hinter die Kulissen eines Unternehmens in den siebziger Jahren, um nur einige Episoden zu erwähnen.
Ein Buch, das zum Verweilen einlädt, auch wenn die Zeit des Lesens schnell vergeht....
Hier einige Leseproben
Die Liebe zur Stadt Mainz
Hier geht es um einen “rasanten Stadtbummel“ in Mainz.
Ein solcher Einkaufsbummel sieht zum Beispiel folgendermaßen aus:
Der erste Halt wird im traditionellen Schuhgeschäft Dauscher gemacht, in dem sie gerne das eine oder andere Paar Schuhe anprobieren.
Es geht nicht nur um das Schuhe anschauen und anprobieren, sondern natürlich auch um den Plausch mit den Verkäuferinnen, welche die betagten Damen und deren wöchentliche Besuche schon lange kennen.
Danach geht's zu Tchibo in der Seppel-Glückert-Passage. Sie lieben es, im Stehen ein Täßchen Kaffee zu trinken und zu beobachten, wie die Leute heutzutage das breite Spektrum an Pyjamas, T-Shirts, Slips, Schmuck und Küchengeräten kaufen.
Wäre da nicht der Duft von frisch geröstetem Kaffee, würden sie denken, sie wären bei Wäsche Reuter.
Tierliebe geht durch den Magen
Die Tierliebe der Kinder wird hier aufs Korn genommen, die so manchen Verzehr von Geflügel oder Hasen vereitelt hat. Die couragierte Art der Mutter steht dem eher zurückhaltenden Vater gegenüber. Typische Schlachtszenerie aus den 60 er Jahren.
Da es jedoch im besagten Winter sehr kalt war, wurde der Truthahn ausgenommen und an einer Kordel nach draußen vors Fenster gehängt. Da hing er nun - von innen und von außen gut sichtbar. Und wie die Hühner bei Witwe Bolte, so baumelte auch er im Wind hin und her. Als dann die Entscheidung fiel, daß der Truthahn jetzt in den Bräter sollte, gab es ein Zeter und Mordio. Keiner wollte dieses Vieh essen und so blieb es einfach hängen. Und wären nicht das Frühjahr, der Sommer und die Fliegen gekommen, würde er wahrscheinlich heute noch hängen.
Nikolaus Bauer
.... Nikolaus Bauer hielt sehr auf Etikette. Er ging jeden Morgen als gepflegter, ordentlich gekleideter Mann aus dem Haus. Seine Frau Maria rasierte ihn mit viel Schaum und kämmte ihn auch so, dass der Scheitel an der richtigen Stelle saß. Abends, wenn er dann nach Hause kam, musste er erst einmal durch die Inspektion seiner Angetrauten. Entweder führte diese ihn dann direkt in den Keller, wenn er gar zu schmutzig war, oder aber er durfte in einer Wanne in der Küche Platz nehmen und wurde von seiner Ehefrau persönlich von oben bis unten mit Kernseife abgeschrubbt und danach mit einem zwar sauberen aber ziemlich stracken Handtuch trocken gerubbelt. Das Wasser hierzu wurde damals in einem Wachkessel auf dem Kohleofen erwärmt....
Die Hochzeit
Die Dramatik um die Hochzeit während des Krieges.
Aufgeregt starteten die beiden vom Bunker in Weisenau aus in Richtung Nordhausen. Am Mainzer Südbahnhof, stellte Liesel voller Schrecken fest, daß sie den Stoff für das Brautkleid im Bunker unter der Bank hatte liegen lassen. Doch wie so oft, meinte das Schicksal es gut mit ihnen.
Ein Bekannter, der zufällig vorbeikam und die Misere der beiden mitbekam, bot Liesel an, sie auf dem Fahrrad nach Weisenau zu fahren. Dankbar nahm sie dieses Angebot an und sie radelten in Windeseile durch das fast völlig zerstörte Mainz zurück nach Hause, um den kostbaren Stoff zu holen, den Hans für diesen besonderen Tag in Frankreich besorgt hatte. Und der freundliche Bekannte fuhr sie sogar wieder zurück an den Bahnhof.
Voller Ungeduld saß Hans auf den Koffern und wartete auf seine Liebste. Dem verpaßten Zug mußte er in Ungewißheit hinterher sehen. Ob überhaupt noch ein Zug in Richtung seiner Heimat fuhr? Fortuna war ihnen hold und sie fuhren mit dem nächsten Zug nach Thüringen ins Eheglück.
Sie hätten keinen Tag später reisen dürfen. In der Nacht zum 17. März sprengte die Deutsche Wehrmacht die Rheinbrücke bei Mainz, um den vorrückenden gegnerischen Truppen die Überquerung des Flusses zu erschweren.
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